Der Paulo‑Tag
„Man könnte ihn auch einfach Projekttag nennen“, sagt Svea Brade, Schulleiterin der Evangelischen Schule Paulo Freire. „Aber wir sind stolz auf den Namensgeber unserer Schule. Deshalb heißt der Mittwoch bei uns Paulo‑Tag.“
Der Name steht für ein pädagogisches Selbstverständnis: Lernen soll Zusammenhänge sichtbar machen, Eigenständigkeit fördern und unterschiedliche Zugänge zulassen.
Der Paulo‑Tag steht unter dem Titel „Abenteuer Zukunft“. Dahinter verbergen sich vielfältige Projektangebote: vier für die Grundschule, zwei weitere für die Klassenstufen 5 und 6. Die Themen sind bewusst breit angelegt und ermöglichen den Kindern, Wissen nicht nur fachlich, sondern auch praktisch und vernetzt zu erwerben.
So umfasst etwa das Projekt Ernährung weit mehr als die Frage, was auf den Teller kommt. Es spannt einen Bogen von Lebensmitteln über Konsum und Verantwortung bis hin zum praktischen Kochen. Das Projekt Mensch wiederum führt die Schüler:innen aus dem Klassenzimmer hinaus zu Ergo‑ und Physiotherapeut:innen, ins Gesundheitsamt in reale Lebens- und Berufswelten. Wissen wird hier nicht isoliert vermittelt, sondern vernetzt, ganzheitlich, manchmal auch bewusst „um die Ecke gedacht“.
Ein weiteres Projekt ist die Draußenschule für die Klassenstufen 1 bis 4. Zehn Kinder verbringen ihren Mittwoch bei Wind und Wetter draußen. Ihr Basislager ist die Wildnisschule Naturgeist in Parchim, die mit Jurte, Feuerstelle und Lagerplatz einen verlässlichen Rahmen bietet.
Steve Nikles, Leiter der Wildnisschule, empfängt die Kinder persönlich am Lagerfeuer. Nach der Begrüßung und einer thematischen Einleitung geht es von hier aus in den Wald, wo die jeweiligen Themen vertieft werden. Dabei wird das gerade Erfahrene aufgegriffen und am praktischen Beispiel weitergeführt.
An diesem Mittwoch wurden die Vögel im Mittelpunkt gerückt, deren Gesänge die Geräuschkulisse des Waldes eindrucksvoll bestimmten. Durch die noch lichten Baumkronen ein großer Greifvogelhorst, eine gefundene Feder sorgte für besondere Aufmerksamkeit. Unterwegs wurden Vogelstimmen gehört und bestimmt.
Im sogenannten Waldklassenzimmer bereitete Isabell Jelinek 26 Vogelkarten auf dem Boden, ergänzt durch Nachschlagewerke. Die Kinder arbeiteten einzeln oder in Gruppen, die Größeren unterstützten die Kleineren beim Schreiben und Nachschauen. Am Ende waren gemeinsam alle Vogelarten bestimmt. Nicht jede:r allein, sondern alle zusammen.
Zurück im Basislager wartete eine kleine Pause mit Popcorn am Lagerfeuer. Danach ging es zurück zur Schule.
Auch wenn sie anders lernen als im Klassenzimmer, lernen die Schüler:innen nachhaltig, aufmerksam, fächerübergreifen und im Austausch miteinander. Sie entwickeln ein gutes Verständnis für ihre Umwelt und dafür, welche Bedeutung der Wald und die Natur für Menschen und Tiere hat.
Dieses Projekt lebt vom Engagement der Pädagog:innen der Parchimer Schule, die bereit sind, neue Lernformen und Lernorte zu gestalten, und von den Eltern, die diesen Weg aktiv und vertrauensvoll mittragen. Ohne dieses Zusammenspiel wäre ein solcher Lernraum nicht möglich.
Für Schulleiterin Svea Brade steht fest: „Wir werden das Projekt im kommenden Schuljahr weiterführen. Zudem arbeiten wir daran, die Draußenschule auch auf die Klassenstufen 5 und 6 auszuweiten und die Inhalte an die Anforderungen der Orientierungsstufe anzupassen.“





