Die Peeneburg - ein Campus, der gewachsen ist

Die evangelische Schule „An der Peeneburg“ in Anklam feiert ihr 20 jähriges Bestehen. Gemeinsam mit Kita und Hort ist ein Bildungscampus entstanden, an dem Kinder lernen, spielen und über viele Jahre begleitet werden.

Anklam, 1. Juli 2026 - Dass der 1. Juli 2026 kein gewöhnlicher Schultag werden würde, war bereits am Eingang zu erkennen. Auf dem Hof der evangelischen Schule „An der Peeneburg“ herrschte geschäftiges Treiben: Schülerinnen und Schüler bearbeiteten Holz, probierten alte Instrumente aus, Stimmen mischten sich mit Musik. Mittendrin dann Bischof Jeremias.

Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern hatte an diesem Tag mehrere Rollen. In einer „Unterrichtsstunde mit dem Bischof“ sprach er mit Schüler:innen der fünften und sechsten Klassen über seinen Beruf, seinen Alltag und die Frage, wie man eigentlich Bischof wird. Zugleich wollte er von den Kindern wissen, wie sie ihre Schule erleben und was sie von anderen Schulen unterscheidet.

Die Antworten kamen zunächst vorsichtig. Viele der Schülerinnen und Schüler kannten keine anderen Schulen kaum. In einem aber waren sie sich einig: An der Peeneburg gebe es „mehr Raum für Möglichkeiten“, außerdem sei es „bei uns demokratischer“. Auf Nachfrage erklärten sie, was sie damit meinten. Mobbing habe an ihrer Schule keine Chance, man achte aufeinander, und die Lehrkräfte fragten nach, ob es den Kindern gut gehe.

Bischof Jeremias zeigte sich beeindruckt von der Klarheit und dem Verantwortungsgefühl der jungen Menschen. Um sein Amt anschaulich zu erklären, legte er seine Bischofskette in die Mitte des Sitzkreises und erläuterte die Symbole. Als die Kinder die Kette herumreichen sollten, zögerten sie zunächst. Erst der Hinweis „Es ist kein echtes Gold“ löste die Anspannung.

Eine Kita mit langer Vorgeschichte

Anlass des Besuchs war das 20 jährige Bestehen der Schule. Zugleich wurde die nachgeholte Einweihung der evangelischen Kita „An der Peeneburg“ gefeiert, die im November 2023 ihren Betrieb aufgenommen hatte. Mit Kita, Schule und Hort ist in Anklam ein Campus entstanden, der Kinder über viele Jahre hinweg begleitet.

Im Festakt erinnerte Gunther Wiese, kaufmännischer Geschäftsführer der Schulstiftung der Nordkirche, an die ungewöhnlich lange Entstehungsgeschichte der Kita. Unerwartete Feldsteine und alte Fundamente erschwerten zunächst die Bauarbeiten. Die Corona Pandemie führte zu Materialmangel, steigenden Preisen und langen Lieferzeiten. Nach der Eröffnung wurde das Erdgeschoss zudem durch austretendes Wasser überflutet. Grund dafür war ein Baufehler. Böden, Estrich, Dämmung und Teile der Holzkonstruktion mussten erneuert werden.

Erst im April 2026 konnte dieses Kapitel abgeschlossen werden. Die Gesamtkosten beliefen sich schließlich auf rund fünf Millionen Euro und lagen damit knapp 80 Prozent über dem ursprünglichen Planansatz.

„Wir haben nicht nur einen Kindergarten gebaut, wir haben das Lehrbuch des Kitabaus neu geschrieben“, sagte Wiese. Zugleich stehe das Haus für die Ausdauer all jener, die trotz der Schwierigkeiten an das Gelingen geglaubt hätten. Besonders würdigte er Kitaleiterin Sandra Kalsow, die das Projekt von Beginn an begleitet hatte. Sein Dank galt außerdem den Mitarbeitenden, den Eltern, den beteiligten Behörden, Planern und Bauschaffenden sowie dem Anklamer Bürgermeister.

Lernen und Glauben

Nach dem Festakt stärkten sich die Gäste am Büfett oder ließen sich von Schülerinnen und Schülern durch das Schulgebäude führen, vom Keller bis zum Dachboden konnte die Schule entdeckt werden. Anschließend zog die Festgesellschaft in die St. Marienkirche, die sich schnell mit Kinderstimmen füllte.

In seiner Predigt sprach Kai Gusek, theologisch pädagogischer Vorstand der Schulstiftung der Nordkirche, darüber, was es braucht, damit eine Schule entstehen und bestehen kann. Eine Schule entstehe nicht von selbst und schon gar nicht falle sie vom Himmel: „Sie entsteht, wenn Menschen Mut aufbringen, für die Kinder.“ Heute sei der Campus „ein Ort, an dem Kinder wachsen und begleitet werden“. An der Peeneburg gehörten dabei „Lernen und Glauben zusammen“.

Die Klasse 6 verabschiedete sich mit einem Anspiel. Die Schüler:innen fragten darin: „Was kommt danach?“ Ihre Antwort klang zugleich vorsichtig und zuversichtlich: „Wir gehen mit ein bisschen Angst, ganz viel Freude und Neugier.“

Damit endete der offizielle Teil eines Festes, das nicht nur auf zwei Jahrzehnte Schulgeschichte zurückblickte. In Anklam ist über die Jahre ein gemeinsamer Ort für Kita, Schule und Hort entstanden, an dem Kinder lernen, spielen und auf ihrem Weg begleitet werden.

Nach dem Gottesdienst ging es dann zu Kaffee und Kuchen und Bratwürsten zurück auf das Gelände des Campus "An der Peeneburg".