Drei Jahre zwischen Klassenzimmer und Weiterbildung
Schwerin, 12. Juni 2026 - Mit einem Gottesdienst im Schweriner Dom ist der erste Jahrgang der Seiteneinstiegsqualifikation „Auf Augenhöhe“ der Schulstiftung der Nordkirche verabschiedet worden. Für sechs Absolventinnen und Absolventen endet damit ein Ausbildungsweg, der sie über drei Jahre hinweg berufsbegleitend auf den Lehrerberuf vorbereitet hat.
Der Name des Programms ist bewusst gewählt. „Auf Augenhöhe“ beschreibt nicht nur das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern, sondern auch die Haltung, mit der die Schulstiftung Menschen begleitet, die sich für einen späteren Einstieg in den Lehrerberuf entscheiden. Seit August 2023 ist die Qualifizierung durch die Bildungsministerien Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins anerkannt; die Abschlüsse sind den staatlichen Seiteneinstiegsqualifikationen gleichgestellt.
Bis dahin war es ein langer Weg. Bereits drei Jahre vor der Anerkennung begann die Arbeit an der Akkreditierung. Konzepte mussten entwickelt, Vorgaben erfüllt und tragfähige Strukturen geschaffen werden. Entstanden ist ein Ausbildungsangebot, das staatliche Anforderungen erfüllt und zugleich Raum für das besondere pädagogische Profil der Schulstiftung lässt.
Zum ersten Jahrgang gehörten überwiegend Lehrkräfte aus Schulen der Schulstiftung, ergänzt durch eine Lehrkraft der Martinschule Greifswald. Die Qualifizierung verbindet Theorie und Praxis eng miteinander. Hospitationen an den Ausbildungsschulen, regelmäßige Gespräche mit Mentorinnen, Mentoren und Schulleitungen sowie der Austausch innerhalb der Gruppe prägen das Programm. Viele Lernprozesse fanden dabei nicht im Seminarraum statt, sondern mitten im Schulalltag.
Für die Teilnehmenden bedeutete dies oft eine besondere Herausforderung. Sie unterrichteten bereits an ihren Schulen und absolvierten die Ausbildung parallel zum Berufsalltag. „Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich berufsbegleitend auf diese anspruchsvolle Ausbildung einlassen“, sagte Programmleiterin Elsbe Gnutzmann. „Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel Menschen leisten, um sich ihren Traum zu erfüllen, Lehrkraft zu sein. Das verpflichtet uns zugleich, eine Ausbildung auf hohem Niveau anzubieten.“
Ein Schwerpunkt der Qualifizierung liegt auf der Reflexion der eigenen Haltung. Die Frage nach den Werten, die pädagogisches Handeln prägen, zieht sich durch alle drei Ausbildungsjahre. „Eine gute Lehrkraft braucht Kenntnisse über die eigenen Wertvorstellungen“, lautet ein Leitgedanke des Programms.
Auch der Gottesdienst zur Verabschiedung griff dieses Verständnis von Bildung auf. „Bildung lebt nicht von Perfektion“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Schulstiftung, Pastor Kai Gusek. Sie lebe von Menschen, „die Kindern etwas zutrauen, von Menschen, die sich trauen, noch etwas zu lernen“. Pädagogik sei dort, „wo Menschen wachsen dürfen“. Dazu gehöre auch das Vertrauen, dass Fehler nicht das Ende bedeuten und dass niemand seinen Weg allein gehen müsse.
Besonders bewegend wurde es, als die Teilnehmenden den beiden Seminarleiterinnen Elsbe Gnutzmann und Anke Leu-Jahnke dankten. Die Ausbildung habe durchaus schwierige Momente gekannt, hieß es. „Aber wir hatten nie das Gefühl, bewertet zu werden, sondern begleitet und aufgefangen zu sein.“ Der Name „Auf Augenhöhe“ sei nicht nur ein Versprechen geblieben, sondern im gemeinsamen Lernen und Arbeiten tatsächlich gelebt worden. „Es war immer das Ziel, uns weiterzubringen. Danke, dass Sie diesen Weg mit uns gegangen sind.“





